Objekt · Königsannalengut belegt
Palermostein
Das größte erhaltene Bruchstück der ägyptischen Königsannalen — Jahr für Jahr verzeichnet, mit der Höhe der Nilflut daneben.

- Gattung
- Königsannalen
- Zeitraum
- niedergeschrieben wohl in der 5. Dynastie; verzeichnet Ereignisse von der Vorgeschichte bis dahin
- Material
- dunkler Stein, meist als Basalt bezeichnet
- Fundort
- unbekannt
- Aufbewahrung
- Museo Archeologico Regionale „Antonino Salinas“, Palermo, Inv. 1028
- Im Werkregister
- Palermostein
Was auf dem Stein steht
Der Palermostein ist ein Bruchstück der Königsannalen — einer beidseitig beschrifteten Steinplatte, die die ägyptische Geschichte Jahr für Jahr verzeichnete. Niedergeschrieben wurde sie wohl in der 5. Dynastie; sie reicht von der Vorgeschichte bis in ihre eigene Zeit.
Der Aufbau ist der einer Tabelle. Das oberste Register nennt Könige der Zeit vor der Reichseinigung. Darunter folgen Reihen schmaler Fächer, eines je Regierungsjahr. In jedem Fach steht, wonach das Jahr benannt wurde — ein Fest, eine Viehzählung, die Herstellung einer Götterstatue, ein Feldzug, eine Tempelgründung. Und darunter, in einer eigenen Zeile, die Höhe der Nilflut dieses Jahres, gemessen in Ellen, Handbreiten und Fingern.
Damit ist der Stein zweierlei zugleich: die älteste erhaltene Chronologie Ägyptens und die älteste lange Reihe von Pegelständen.
Warum er ein Bruchstück ist
Erhalten sind mehrere Fragmente derselben oder einer sehr ähnlichen Platte, verstreut auf Palermo, Kairo und London. Das Palermitaner Stück ist das größte und hat deshalb dem Ganzen seinen Namen gegeben. Wie die Fragmente zueinander liegen und ob sie überhaupt von einem einzigen Monument stammen, ist nicht abschließend geklärt — der Fundort ist unbekannt.
Für die Datierung des Alten Reichs ist das folgenreich. Was fehlt, fehlt nicht zufällig verteilt, sondern in Blöcken; die Reihe lässt sich deshalb nicht einfach durchzählen. Wer den Stein für absolute Jahreszahlen benutzt, rechnet mit Lücken, deren Länge er nicht kennt — siehe die Zeittafel.
Die heiligen Stiere
Für dieses Nachschlagewerk ist der Stein vor allem als frühester Beleg für den Stierkult wichtig. Er verzeichnet den „Lauf des Apis" unter Ninetjer in der 2. Dynastie — ein Ritual, bei dem der heilige Stier eine Strecke durchlief.
Dodson weist auf einen zweiten Fall hin, der zeigt, wie schmal die Überlieferung ist: Ein Stier namens Siankh ist allein vom Palermostein bekannt, und zwar ebenfalls durch seinen „Lauf". Von ihm gibt es sonst nichts — kein Grab, keine Stele, keine Darstellung. Dass nur drei Stierkulte als gut bezeugt gelten, heißt also nicht, dass es nur drei gab, sondern dass von den übrigen nicht genug übrig ist.