Objekt · Zeremonialpalettegut belegt
Narmerpalette
Die berühmteste Schminkpalette Ägyptens — mit einer Reibefläche, die nie benutzt wurde, und einem Fundort, der nicht ihr Verwendungsort war.

- Gattung
- Zeremonialpalette
- Zeitraum
- Frühdynastisch, um 3000 v. Chr.
- Material
- Grauwacke
- Fundort
- Hierakonpolis, „Main Deposit“
- Aufbewahrung
- Ägyptisches Museum, Kairo, Inv. JE 32169
- Im Werkregister
- Narmerpalette
Eine Palette, die keine ist
Die Narmerpalette gehört zur Gattung der Zeremonialpaletten — Großformate, die den kleinen Schminkpaletten der prädynastischen Gräber nachgebildet sind. Wie diese trägt sie auf einer Seite eine runde, von einem erhabenen Rand eingefasste Fläche, wie man sie zum Verreiben von Mineralien braucht.
Benutzt wurde sie dafür nicht. Aussagekräftige Gebrauchsspuren fehlen — auf ihr wie auf den anderen Zeremonialpaletten. Die Form zitiert einen Gegenstand des täglichen Gebrauchs; die Funktion ist eine andere.
Was sie kunstgeschichtlich bedeutet
Ihre Gestaltung ist in zweierlei Hinsicht ein Anfang: Die Darstellung ist in Register gegliedert, und sie trägt einige der frühesten Hieroglyphen überhaupt. Beides zusammen macht sie zum Bezugspunkt für die Datierung verwandter Stücke — das Stück wird über den Stil datiert, nicht umgekehrt.
Auffällig sind Motive, die aus dem Vorderen Orient stammen. Auf der Narmerpalette sind es die Schlangenhalspanther, deren verschlungene Hälse die Reibefläche einfassen; auf der Louvre- und der Schlachtfeldpalette ein Palmbaum zwischen zwei Giraffen. Solche Bezüge sind seit Jahrzehnten diskutiert.
Sie stehen auf der Rückseite — die Aufnahme oben zeigt die andere Seite mit der Erschlagungsszene.
Der Fundort ist nicht der Verwendungsort
Sie stammt aus dem „Main Deposit“ von Hierakonpolis — und das ist erklärungsbedürftig. Von den meisten Zeremonialpaletten ist die Herkunft ohnehin unbekannt; bei der Narmer- und der Zweihundepalette ist der letzte Aufbewahrungsort zwar gesichert, er ist aber weder der Ort ihrer Herstellung noch der ihres Gebrauchs.
Wer die Palette also als Zeugnis für den Kult in Hierakonpolis liest, überdehnt den Befund. Sie lag dort; wo sie stand und wozu, sagt der Fundzusammenhang nicht.