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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Objekt · Zeremonialpalettegut belegt

Narmerpalette

Die berühmteste Schminkpalette Ägyptens — mit einer Reibefläche, die nie benutzt wurde, und einem Fundort, der nicht ihr Verwendungsort war.

Historische Schwarzweiß-Fotoplatte einer schildförmigen Steinplatte, die sich nach unten verjüngt. Oben flankieren zwei Köpfe mit Kuhohren und -hörnern ein rechteckiges Feld. Im großen Mittelbild schreitet eine übergroße Gestalt mit hoher, keulenförmiger Krone nach rechts, hebt mit der erhobenen Rechten eine Keule und packt mit der Linken einen knienden Mann am Haar. Hinter ihr steht eine kleine Figur mit Gefäß, rechts hockt ein Falke auf einer Reihe von Pflanzenstängeln und hält einen Strick, der zu einem menschlichen Kopf führt. Im schmalen unteren Streifen liegen zwei gestürzte Gestalten. Unter der Aufnahme steht in Schreibschrift eine englische Bildunterschrift.
Gattung
Zeremonialpalette
Zeitraum
Frühdynastisch, um 3000 v. Chr.
Material
Grauwacke
Fundort
Hierakonpolis, „Main Deposit“
Aufbewahrung
Ägyptisches Museum, Kairo, Inv. JE 32169
Im Werkregister
Narmerpalette

Eine Palette, die keine ist

Die Narmerpalette gehört zur Gattung der Zeremonialpaletten — Großformate, die den kleinen Schminkpaletten der prädynastischen Gräber nachgebildet sind. Wie diese trägt sie auf einer Seite eine runde, von einem erhabenen Rand eingefasste Fläche, wie man sie zum Verreiben von Mineralien braucht.

Benutzt wurde sie dafür nicht. Aussagekräftige Gebrauchsspuren fehlen — auf ihr wie auf den anderen Zeremonialpaletten. Die Form zitiert einen Gegenstand des täglichen Gebrauchs; die Funktion ist eine andere.

Was sie kunstgeschichtlich bedeutet

Ihre Gestaltung ist in zweierlei Hinsicht ein Anfang: Die Darstellung ist in Register gegliedert, und sie trägt einige der frühesten Hieroglyphen überhaupt. Beides zusammen macht sie zum Bezugspunkt für die Datierung verwandter Stücke — das Stück wird über den Stil datiert, nicht umgekehrt.

Auffällig sind Motive, die aus dem Vorderen Orient stammen. Auf der Narmerpalette sind es die Schlangenhalspanther, deren verschlungene Hälse die Reibefläche einfassen; auf der Louvre- und der Schlachtfeldpalette ein Palmbaum zwischen zwei Giraffen. Solche Bezüge sind seit Jahrzehnten diskutiert.

Sie stehen auf der Rückseite — die Aufnahme oben zeigt die andere Seite mit der Erschlagungsszene.

Der Fundort ist nicht der Verwendungsort

Sie stammt aus dem „Main Deposit“ von Hierakonpolis — und das ist erklärungsbedürftig. Von den meisten Zeremonialpaletten ist die Herkunft ohnehin unbekannt; bei der Narmer- und der Zweihundepalette ist der letzte Aufbewahrungsort zwar gesichert, er ist aber weder der Ort ihrer Herstellung noch der ihres Gebrauchs.

Wer die Palette also als Zeugnis für den Kult in Hierakonpolis liest, überdehnt den Befund. Sie lag dort; wo sie stand und wozu, sagt der Fundzusammenhang nicht.