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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

HintergrundTotenreich & Osiriskreisgut belegt

Ka, Ba, Ach, Name und Schatten

kꜣ · bꜣ · ꜣḫ · rn · šwt

Der Mensch bestand für die Ägypter aus mehreren Bestandteilen, die im Tod verschiedene Wege gehen.

Bestandteile
Leib (ḏt/ẖꜣt) · Ka · Ba · Ach · Name · Schatten · Herz (jb/ḥꜣtj)

Darstellung

Ka als zwei erhobene Arme; Ba als Vogel mit Menschenkopf; Ach als Schopfibis.

Zeitraum
Altes Reich bis Römerzeit
Themenfelder
Anthropologie · Totenglaube
Orte
Grab- und Totenkult

Ka

Die Lebenskraft, zugleich das, was einen Menschen mit seinen Vorfahren verbindet. Der Ka wird bei der Geburt von Chnum mitgeformt. Er braucht nach dem Tod Nahrung — daher die Opferformel „ein Opfer, das der König gibt … für den Ka des NN“ und die Scheintür im Grab, an der Speisen niedergelegt wurden. „Zu seinem Ka gehen“ heißt sterben.

Ba

Am ehesten die Beweglichkeit und individuelle Erscheinung einer Person; dargestellt als Vogel mit Menschenkopf, der das Grab verlassen und tagsüber umherfliegen kann. Der Ba muss nachts zur Mumie zurückkehren — deshalb die Ba-Schächte in Gräbern. Auch Götter haben einen Ba: Der Apisstier ist der Ba des Ptah.

Ach

Der „Verklärte“ — der Zustand, den ein Verstorbener erreicht, wenn Ka und Ba durch die Riten vereinigt wurden. Ein Ach kann wirksam werden, auch gegenüber Lebenden.

Briefe an Tote

Aus dieser Vorstellung stammen die „Briefe an Tote“: Man schrieb einem verstorbenen Angehörigen, er möge in einem Rechtsstreit oder bei einer Krankheit eingreifen.

Geschrieben wurde meist hieratisch auf Keramikgefäße — entweder in einer Spirale vom Rand zur Mitte oder in Kolumnen; einige Stücke tragen den Text hieroglyphisch auf Figurinen. Die Schale war kein Zufall: Sie stand am Grab als Opfergefäß, der Brief erreichte den Empfänger also mit der Speise.

Das Corpus ist klein, und nur wenige Stücke haben eine gesicherte Herkunft — dazu gehören die Qau-Schale, der Papyrus Naga el-Deir N 3500 und der Papyrus an Meru. Man sollte aus diesen Texten deshalb keine Statistik über ägyptische Alltagsfrömmigkeit ableiten; sie zeigen, dass es die Praxis gab, nicht wie verbreitet sie war.

Name und Schatten

Der Name ist Teil der Person; wer ihn auslöscht, vernichtet den Menschen — daher die Tilgung von Namen an Denkmälern als schärfste Sanktion (Hatschepsut, Echnaton). Der Schatten gilt ebenfalls als eigenständiger Bestandteil mit eigener Beweglichkeit.

Das Herz

Sitz von Verstand, Gedächtnis und Charakter — nicht das Gehirn, das bei der Mumifizierung entfernt und weggeworfen wurde. Beim Totengericht sagt das Herz aus. Der Herzskarabäus mit Totenbuchspruch 30B sollte es zum Schweigen bringen.

HintergrundTotenreich & Osiriskreis