Lokal- & Tiergötterdünn belegt
Wenut
Hasengöttin des 15. oberägyptischen Gaues bei Hermopolis.
- Zuständig für
- Schnelligkeit, Gauschutz
- Bezeugt
- Altes Reich bis Spätzeit
- Kultorte
- Hermopolis-Gau („Hasengau“)
- Familie
- Gefährte: Thot im selben Gau
Erscheinung
Frau mit Hasenkopf oder Hase auf einer Standarte; gelegentlich schlangenköpfig.
Zur Person
Der 15. oberägyptische Gau heißt nach ihrem Emblem „Hasengau“. Wenut selbst bleibt inhaltlich blass — sie ist im Kern eine Gaustandarte, die zur Göttin wurde. Der Hase steht in Ägypten für Wachsamkeit und Schnelligkeit; das Zeichen wird auch als Konsonantenzeichen wn („sein, existieren“) verwendet, was die Beleglage zusätzlich erschwert.
„Blass“ stimmt für die Gestalt, nicht für die Rolle
Im Mittleren Reich steht sie an prominenter Stelle. Die Weiße Kapelle Sesostris' I. in Karnak führt ein Verzeichnis der Gaue mit ihren Göttern — und für den 15. oberägyptischen Gau nennt sie nicht Thot, sondern Âha und Wenut. Das ist bemerkenswert, denn Thot erscheint auf demselben Bauwerk mit seinem geläufigen Beinamen „Herr von Chemenu“.
Was die beiden verbindet, ist Kampfbereitschaft. Âha, „der Kämpfer“, ist ein abwehrender Gott, dessen Bedrohlichkeit sich an seiner Waffe zeigt — dem Messer. Wenut gehört als Uräusschlange und gefährliche Göttin in dieselbe Reihe; das erklärt ihren Platz in der Liste. Der kriegerische Zug war offenbar der hervorstechende Zug dieses Gaupantheons bis ins Mittlere Reich — und passt zur schlangenköpfigen Nebenform, die der Eintrag oben nennt.
Das wirft ein anderes Licht auf Thot. Auch er war im Alten und Mittleren Reich eine gewalttätige, angriffslustige Gestalt; Âha könnte deshalb mit ihm zusammengebracht und mit der Zeit zu einem bloßen Aspekt seiner Person geworden sein.
Wie dünn der Boden bleibt, zeigt die Gegenprobe: Die älteste bekannte Liste der Hauptgötter von Chemenu — nur rund dreißig Jahre jünger als Sesostris' Kapelle — nennt weder Âha noch Wenut.
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