Ort · Unterägyptenmittelmäßig belegt
Sais
Saïsheute: Sa el-Hagar
Die Stadt der Neith im Westdelta — Heimat der 26. Dynastie, mit zwei Heiligtümern, die je einen eigenen Horus hatten.
- Zeitraum
- Saitenzeit bis Ptolemäerzeit
- Region
- Unterägypten
- Gau
- Provinz der Neith
- Hauptgottheiten
- Neith · Horus von Resnet · Horus von Mehnet
- Bauten
- Heiligtum Resnet · Heiligtum Mehnet
Die Provinz heißt nach der Göttin
Sais ist die Stadt der Neith, und das steht nicht nur im Kult, sondern in der Verwaltung: Die Amtsbezeichnung der örtlichen Statthalter lautet „Gouverneur in der Provinz der Neith“. Neith heißt in den Texten schlicht „Herrin von Sais“ und ist die Adressatin, an die sich ein Statthalter in seiner Inschrift wendet.
Bemerkenswert ist der volle Titel, denn er reicht über die Stadt hinaus: „Gouverneur in der Provinz der Neith, Pe und Dep“. Pe und Dep sind die beiden Siedlungen von Buto — dasselbe Amt umfasste also den Kultort der Wadjet mit.
Zwei Heiligtümer, zwei Horusgestalten
In Sais gibt es die Heiligtümer Resnet und Mehnet, und beide haben eine eigene Horusgestalt: den Horus von Resnet und den Horus von Mehnet. Sie erscheinen als Paar — eine Stele aus dem Jahr 8 des Amasis (London, BM EA 1427) hält fest, dass der König der Bruderschaft dieser beiden Gottheiten einen Stall stiftete.
Die Priesterschaften waren aber getrennt. Man ist in der Regel Prophet des einen oder des anderen Heiligtums; die Doppelbezeichnung „Prophet von Resnet und Mehnet“ kommt vor, ist jedoch nicht der Normalfall.
Wahibre, der bestbekannte Statthalter
Unter den Statthaltern von Sais, die sich für die 26. Dynastie nachweisen lassen, nimmt Wahibre eine Sonderstellung ein: Er ist bis heute der am besten bekannte. Drei Zeugnisse betreffen ihn, zwei davon binden ihn an die Regierung des Amasis:
- die Schenkungsstele London BM EA 1427 aus dessen Jahr 8
- die Statue Kairo CG 672
- eine Nischenstele, die erst aus zwei Bruchstücken in Edinburgh und Brooklyn wieder zusammengesetzt werden konnte
Seine Rolle bei der Schenkung ist aufschlussreich für das Amt: Er tritt als Mittelsmann auf, der die Gabe des Königs weiterleitet — eine Aufgabe, die den Provinzgouverneuren seiner Zeit zufiel.
Von der Nischenstele ist die Figur in der Mittelnische verloren. Dass dort Neith stand, ist ein Schluss, kein Befund: Sie ist die Gottheit, an die sich Wahibre auf der Rückseite wendet.
Noch in ptolemäischer Zeit ein Ort, an dem entschieden wird
Eine Stele aus dem Jahr 20 Ptolemaios' II. zeigt Sais in einer bemerkenswerten Rolle. Der König lässt die Grafen, die Verwalter der Tempelgüter, die Propheten und die Gottesväter der Tempel Ägyptens zu sich rufen; nach der Beratung kehren sie in die Stadt Sais zurück — und zwar, wie der Text sagt, „um das Land nach der Knappheit zu ernähren“.
Der König heißt dort „geliebt von Neith, der Herrin von Sais“. Die Stadt ist also nicht nur Kultort geblieben, sondern Sammelpunkt einer reichsweiten Priesterversammlung.