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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Totenreich & OsiriskreisSchöpfung & UrzeitDämonen & Mischwesenmittelmäßig belegt

Aker

Der Erdgott der Horizonte in Gestalt zweier Löwen, die Gestern und Morgen heißen und zwischen sich die Sonne durchlassen.

ꜣkrUmschrift
Zuständig für
Horizont, Erdtiefe, Durchgang der Sonne
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
kein eigener Kult
Familie
Löwenpaar: Duai („Gestern“) und Sefer („Morgen“); in anderen Texten als Schu und Tefnut gedeutet

Erscheinung

Doppelsphinx: zwei Löwen Rücken an Rücken mit einer Landschaft oder Sonnenscheibe dazwischen; oder eine Erdscheibe mit zwei Menschenköpfen an den Enden.

Der Durchgang

Aker ist die Erde als Passage: Die Sonne verschwindet abends im westlichen Löwenmaul und tritt morgens aus dem östlichen wieder heraus. In den Unterweltsbüchern (besonders im Buch der Erde und im Amduat) ist Akers Rücken zugleich der Ort, an dem der Leichnam des Osiris ruht. Damit ist er weniger eine Person als eine Örtlichkeit mit Gesicht.

Erdgott oder Torwächter?

Die Einordnung als Erdgott ist bestritten, und zwar seit Langem. Fernand Bisson de la Roque hat 1931 dagegengehalten, Aker sei einfacher zu verstehen: als Wächtergeist des Ein- und Ausgangs des Jenseits — nicht als Erdgott und Vorläufer des Geb, wie es Max Müller angenommen hatte.

Sein Argument kommt aus den Stellen, an denen beide nebeneinander stehen. Ein Spruch des Totenbuchs lautet: „Ich habe Seth besänftigt durch den Speichel des Aker, die roten Götter durch das Rückgrat des Geb.“ Darin liegt ein Unterschied in der Wirkungsweise — Aker wirkt von außen, als Wächter; Geb von innen.

In den Pyramidentexten stehen die Wohnungen der Erdgötter denen der Himmelsgötter gegenüber; dort heißt es, „die Knochen des Aker“ — also die Erde — zitterten. Das macht ihn aber so wenig zu Geb, wie die Sterne dadurch zu Nut werden. Bisson de la Roques Schluss: Aker ist eher ein Bestandteil des Geb als mit ihm identisch.

Bemerkenswert ist auch, dass er im Plural auftreten kann — „die Akeru der Erde“, die den Toten erschaffen.

Wie sein Name geschrieben wird

Der Name steht meist aus drei Buchstabenzeichen, gefolgt vom Bildzeichen des Doppellöwen. Ist der Text für einen König geschrieben, wird daraus ein Doppelsphinx — die beiden Bildformen des Eintrags sind also keine Varianten nach Geschmack, sondern nach Adressat.

Die Determinative widersprechen einander, und jedes sagt etwas anderes. Mal steht das Zeichen für Götternamen, mal das für das schädliche Tier, mal das für Reptilien, mal das für die Erde. Bisson de la Roque liest die Reihe als Aufzählung seiner Zuständigkeiten: Gott, weil er im Sonnenlauf mitwirkt — schädliches Tier, weil er die Sonne abends verschlingt — und Erde, weil er dort wohnt, an beiden Horizonten.

In Totentexten ist das Doppelsphinx-Zeichen mitunter absichtlich verstümmelt — Teil jener Praxis, gefährliche Zeichen in Grabtexten unschädlich zu machen.

Schutzfunktion

Weil er auf beiden Zeitseiten steht, wehrt Aker in Zaubertexten Schlangen ab und bewacht das Tor. Auf Kopfstützen und Betten erscheinen die zwei Löwen aus demselben Grund: Der Schläfer passiert nachts dieselbe Grenze wie die Sonne.

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