Königtum, Krieg & SchutzSonne, Himmel & GestirneWissen, Schrift & Magiegut belegt
Chons
griechisch Chespisichis (in Kombination) · ägyptisch Ḫnsw
Mondgott und Kind der thebanischen Trias; „der Durchziehende“, in älteren Texten ein gefährlicher Dämon, später Heilgott.

- Zuständig für
- Mond, Zeit, Heilung, Wandern
- Bezeugt
- Pyramidentexte bis Römerzeit
- Kultorte
- Karnak (eigener Chonstempel), Kom Ombo, Edfu
- Familie
- Vater: Amun
Mutter: Mut
Formen: Chons-em-Waset-Neferhotep; Chons-pa-chered („das Kind“); Chons-pa-iri-sechru („der die Geschicke bestimmt“)
Erscheinung
Mumiengestaltiges Kind mit Seitenlocke, Mondsichel und Vollmondscheibe auf dem Kopf, Krummstab und Wedel; auch falkenköpfig mit Mondscheibe.
Vom Kannibalen zum Heiler
In den Pyramidentexten (Kannibalenhymnus, Spruch 273–274) ist Chons ein blutrünstiges Wesen, das für den König Götter tötet. Diese Seite verschwindet später fast völlig. Im Neuen Reich ist er der freundliche Sohn der thebanischen Trias und ein anerkannter Heilgott, dessen Statue man zu Kranken schickte.
Die Bentresch-Stele
Eine ptolemäische Stele erzählt eine Legende aus der Zeit Ramses’ II.: Die Prinzessin Bentresch aus dem fernen Bachtan ist von einem Geist besessen; erst als man die Statue des Chons-der-die-Geschicke-bestimmt dorthin schickt, weicht der Geist. Der Text ist ein bewusst archaisierendes Propagandastück des Chonspriestertums, aber ein hervorragendes Zeugnis für Statuenkult und Fernheilung.
Mond und Zeitrechnung
Als Mondgott ist Chons für Monatsrechnung und Wachstumszyklen zuständig; sein Name („der Durchziehende“) meint die Wanderung des Mondes über den Himmel. Im Chonstempel von Karnak steht zudem eine späte kosmogonische Theologie, in der Chons selbst zum Schöpfergott wird — ein Beispiel dafür, wie jede große Priesterschaft ihren Gott irgendwann an den Anfang der Welt setzte.
Königtum, Krieg & SchutzSonne, Himmel & GestirneWissen, Schrift & Magie