Lokal- & TiergötterHaus, Geburt & Alltagdünn belegt
Horudja
Kindgott der koptitischen Theologie, Sohn der Großen Göttin — bezeugt an zwei Tempeln des Nilbogens und an keinem sonst.
- Zuständig für
- Kindgott, Koptitische Theologie
- Bezeugt
- Römerzeit; in Schenhur ab Tiberius bezeugt
- Kultorte
- Schenhur (eigene Seitenkapelle), El-Qalʿa
- Familie
- Mutter: die Große Göttin (Isis)
Erscheinung
In Schenhur nur aus den Beischriften seiner Kapelle zu erschließen; von der Dekoration sind bloß die untersten Lagen erhalten.
Ein Kindgott mit eigener Kapelle
Horudja ist Kindgott und Sohn der Großen Göttin Isis. In Schenhur hat er etwas, das für einen Gott dieser Größenordnung ungewöhnlich ist: eine eigene Kapelle.
Sie entstand unter Tiberius südwestlich des augusteischen Tempels und stand zunächst frei. Erst unter Nero wurde sie mit dem Haupttempel verbunden, indem man dazwischen eine Säulenhalle mit vier Säulen setzte.
Ob die Kapelle ein Mammisi war, ist offen — De Meyer und Minas-Nerpel halten es für möglich, mehr nicht. Für eine sichere Aussage ist zu wenig übrig: Erhalten sind nur die untersten Lagen der Dekoration.
Eine Kapelle, keine zwei
Ein älterer publizierter Plan zeigte zwei seitliche Kapellen, symmetrisch angeordnet. Die Grabung von 1997 hat das widerlegt: Eine zweite Kapelle parallel zu der des Horudja gab es nicht.
Das ist mehr als eine Korrektur am Grundriss. Wo ein Plan Symmetrie zeigt, liest man eine theologische Ordnung mit — hier war sie ein Zeichenfehler.
Wo er hingehört
Horudja ist eine koptitische Gottheit. Die Theologie von Koptos bestimmt den Tempel von Schenhur, obwohl er zwischen Koptos und Theben liegt: Koptitische Gottheiten wie Min, Isis, Geb und Horudja erscheinen häufig, und selbst thebanische Gottheiten tragen dort koptitische Beinamen.
Ein Datierungsdetail zeigt, wie eng sein Verbreitungsgebiet ist. Die Große Göttin und Horudja sind in Schenhur ab Tiberius bezeugt, im benachbarten el-Qalʿa dagegen erst unter Claudius. Zwei Tempel wenige Kilometer auseinander, und derselbe Kult erreicht sie in verschiedenen Jahrzehnten.
Zur Einordnung: Was Harpokrates für Koptos und für Ägypten allgemein ist, ist Horudja für diesen engen Landstrich — ein Kindgott desselben Typs, aber ohne die überregionale Ausbreitung. Wer im Fließtext auf „Horudja“ stößt, sollte zudem prüfen, ob nicht der Personenname gemeint ist: In der Spätzeit ist er häufig.
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