Lokal- & TiergötterNil, Ernte & Fruchtbarkeitdünn belegt
Nebtu und Menhit von Esna
Göttin des Ackerlandes und der Feldfrüchte in Esna, Gefährtin des Chnum.
- Zuständig für
- Felder, Vegetation
- Bezeugt
- Ptolemäisch-römisch
- Kultorte
- Esna
- Familie
- Gemahl: Chnum
Erscheinung
Frau mit Lotos- oder Pflanzenaufsatz.
Zur Person
Nebtu („Herrin des Landes/Feldes“) — in der Literatur auch Nebet-uu geschrieben — ist eine reine Tempelgottheit von Esna und gehört zu den zahlreichen Gestalten, deren gesamte Überlieferung aus den Wänden eines einzigen Bauwerks besteht. Solche Fälle sind wichtig für das Gesamtbild: Das ägyptische Pantheon umfasste tausende Namen, von denen die meisten nur lokal und nur in einer Epoche belegt sind. Das „Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen“ verzeichnet über 50.000 Namen und Beinamen.
Die Familie als theologische Setzung
In Esna hat der Schöpfergott zwei Seiten: Chnum als männliche, Neith als weibliche. Zur Lehre gehört, dass beide Hauptgottheiten des Tempels eine Familie haben — die Wandbilder führen sie entsprechend vor.
Nebtu ist deshalb da: als Gemahlin des Chnum. Ihr gemeinsames Kind ist Heka, die personifizierte Zauberkraft. Neith dagegen bleibt unverheiratet und hat trotzdem zwei Kinder, den krokodilköpfigen Schemanefer-Sobek und den Dämonengott Tutu — beide von zwiespältigem Wesen, fähig, Unheil abzuwenden wie zu bringen.
Die Trias ist hier also kein Befund, sondern eine Konstruktion, die dem Tempel die übliche Familienform gibt.
Wenn sie zornig wird
Nebtu gilt als eigensinnig und jähzornig. Im Zorn nimmt sie Gestalt und Wesen der löwenköpfigen Menhit an — Menhit ist damit weniger eine eigene Göttin als Nebtus aufgebrachte Erscheinungsform.
Zu besänftigen war dieser Zustand nur mit drastischen Gaben: Blutströmen, gebratenen Feindesgliedern, aufgespießten Tieren.
Wie ernst das genommen wurde, zeigt eine seltene Szene: Kaiser Trajan tanzt vor Menhit und Nebtu. Aus der gesamten ptolemäisch-römischen Tempelkunst sind nur drei Darstellungen eines tanzenden Pharaos bekannt, und in allen dreien lautet der Auftrag gleich — eine erzürnte Göttin beruhigen.
Wie das Portal sie anredet
Am ptolemäischen Portal des Tempels steht ihre Anrede knapp und vollständig zugleich: „Nebtu, Herrin von Esna, Herrin des Rausches, die viele Feste hat.“ Was sie im Gegenzug zusagt, gehört zur freundlichen Seite derselben Göttin: „Ich gewähre dir Freude ohne Leid“ und „Ich lasse die Herzen der Bewohner der Erde sich dir zuwenden.“
Als Menhit-Nebtu — beide Namen zu einem verschmolzen — klingt es anders:
der große mḥnt-Uräus, der Uräus aller Götter, auf dessen Kopf sich kein Gott ringelt.
Der letzte Halbsatz ist der Kern: Sie ist die Schlange, die andere tragen, und hat selbst niemanden über sich.
Ein Vorbehalt gehört dazu, und er gilt für den ganzen Abschnitt. Dieselbe Reihe von Beinamen dient im Tempeltext auch zur Bezeichnung von Hathor, Rat-taui, Sachmet und Tefnut. Wer sie irgendwo findet, hat damit keinen Beleg für Nebtu, sondern für einen Typ von Göttin — derselbe Fall wie bei Pachet und Wosret.
Am selben Portal wird Heka vorgestellt als „das Kind, der sehr Große und Erstgeborene des Chnum, der schöne Jüngling, der Vielgeliebte“. Damit ist die Familie, die der Tempel setzt, auch dort vollständig benannt.
Lokal- & TiergötterNil, Ernte & Fruchtbarkeit