Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergöttergut belegt
Wadjet
griechisch Uto, Buto · ägyptisch Wꜣḏt
Die Kobra von Buto, Schutzgöttin Unterägyptens und Uräus an der Stirn des Königs.
- Zuständig für
- Königsschutz, Unterägypten, Abwehr von Feinden
- Bezeugt
- Frühdynastisch bis Römerzeit
- Kultorte
- Buto (Pe und Dep, Tell el-Farain), im ganzen Delta
- Familie
- Gegenstück: Nechbet (Oberägypten)
Zusammen: die „Beiden Herrinnen“ (Nebti)
Erscheinung
Aufgerichtete Kobra, oft mit der Roten Krone; als Frau mit Schlangenkopf; als Uräusschlange am Königsdiadem; geflügelt über Königsdarstellungen.
Der Uräus
Die Kobra an der Königsstirn ist das wirksamste Schutzzeichen Ägyptens: Sie speit Feuer gegen jeden, der sich dem König nähert. Der Name „Uräus“ kommt über das Griechische von jꜥrt, „die Aufgerichtete“. Wadjet ist zugleich ein „Auge des Re“ und teilt mit den Löwengöttinnen die Zorn-und-Besänftigung-Struktur.
Nebti-Name
Der zweite Bestandteil der Königstitulatur, der Nebti-Name („die beiden Herrinnen“), stellt Wadjet und Nechbet nebeneinander — Delta und Niltal, Rote und Weiße Krone. Die Doppelung der Landeshälften ist das Grundmuster der ägyptischen Staatsvorstellung: Das Land ist eine Einheit, weil es aus zwei Teilen besteht, die zusammengehalten werden.
Die auf ihrem Papyrus
In den ptolemäischen Tempeln trägt sie einen Beinamen, der ihren eigenen Namen aufnimmt: ḥrj-wꜣḏ-s, „die auf ihrem Papyrus ist“. Ein Text aus dem Geburtshaus von Edfu nennt sie vollständig „Wadjet von Pe und Dep, das große Diadem auf ihrem Papyrus“ — wꜣḏ ist zugleich die Papyruspflanze und das Wort für „grün, frisch“, aus dem ihr Name gebildet ist.
Der Beiname sagt zugleich, was sie in dieser Zeit ist. Er bezeichnet gewöhnlich Hathor-Wadjet, die Göttin des Nordens — und zwar entweder in Gestalt der Göttin oder in Gestalt der Roten Krone selbst. Die Krone ist hier also keine Kopfbedeckung, die sie trägt, sondern eine Form, die sie annimmt. Genau genommen meint der Ausdruck das Diadem.
Buto
Pe und Dep, die beiden Siedlungen von Buto, gehören zu den ältesten Kultorten Ägyptens; die „Seelen von Pe“ erscheinen in den Pyramidentexten als jubelnde Ahnengeister mit Falkenköpfen. Grabungen in Tell el-Farain haben prädynastische Schichten mit Verbindungen nach Vorderasien erbracht.
Im Gelände ist ihr Heiligtum bis heute das auffälligste Bauwerk. Die Grabungen unterscheiden in Tell el-Farain drei Hügel: Kôm A und Kôm C tragen Wohnviertel und Werkstätten, Kôm B das Heiligtum der Wadjet — schon von weitem an seiner mächtigen Umfassungsmauer aus Lehmziegeln zu erkennen. Dieses Hauptheiligtum ist wohl dasselbe, das Herodot (II 155–156) als Heiligtum der Leto beschreibt: Die griechische Überlieferung deutet Wadjet als Leto.
Ihr Kult trug sich noch in ptolemäischer Zeit selbst. Die Satrapenstele erneuert 311 v. Chr. — Ptolemaios war damals noch Satrap, nicht König — die Privilegien, die „den Göttern und dem Klerus von Buto“ die Verfügung über das umliegende Land sichern; auch sonst zeigen die frühen Ptolemäer Interesse am Heiligtum. Die späte Geschichte des Ortes von der Ptolemäerzeit bis in die islamische Zeit ist archäologisch allerdings noch kaum geschrieben.
An der kuschitischen Kolonnade von Karnak-Nord führt sie diese Ahnengeister selbst an: In einer Szene, die den König vorstellt, schreiten neun Gestalten Hand in Hand auf einer Ebene — rechts vom König Wadjet mit den drei Seelen von Pe, links Nechbet mit den Seelen von Nechen. Die Beischrift nennt sie „Wadjet von Pe und Dep, Herrin des Per-nu und Herrin des Per-neser“ — zwei Heiligtümer, die den beiden Siedlungen entsprechen.
Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergötter