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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutzmittelmäßig belegt

Arensnuphis

griechisch Arensnuphis · ägyptisch Jrj-ḥms-nfr

Gott des Ersten Katarakts und des Dodekaschoinos — lange für einen nubischen Gott gehalten, obwohl er aus Elephantine kommt.

Jrj-ḥms-nfrUmschrift
Zuständig für
Erster Katarakt, Dodekaschoinos, Schutz des Abaton
Bezeugt
als Chnum-Arensnuphis ab dem 7. Jh. v. Chr.; eigenständig ab dem frühen 3. Jh. v. Chr. bis in die Römerzeit
Kultorte
Philae (eigener Tempel), El-Dakka (Ergamenes-Kapelle), Elephantine, Medinet Habu, Musawwarat es-Sufra (Nubien)
Familie
Herkunft: aus Chnum-Arensnuphis von Elephantine hervorgegangen
Beiname: Herr des Abaton

Erscheinung

Als Mann dargestellt; sein Beiname „der lebende Löwe“ stellt ihn zugleich in die Reihe der Löwengötter.

Kein nubischer Gott — jedenfalls nicht von Herkunft

Arensnuphis gilt in der Literatur oft als nubischer Gott. Der Befund spricht dagegen, und er ist gut zu greifen.

Am Anfang steht nicht er, sondern Chnum-Arensnuphis: ein Kult mit Heiligtümern und eigenem Personal, in Elephantine vom 7. bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. belegt. Aus dieser Doppelgestalt entwickelte sich im thebanischen Raum bis zum frühen 3. Jahrhundert v. Chr. der Kult eines selbständigen Gottes Arensnuphis.

In Nubien erscheint er erst danach. Der früheste sicher datierbare Beleg dort ist der Löwentempel von Musawwarat es-Sufra nördlich des Sechsten Katarakts, den ein meroitischer König errichten ließ — und dessen Inschriften erkennbar von Texten aus Philae abhängen. Die Richtung der Übernahme ist damit umgekehrt zur landläufigen Annahme: nicht von Süden nach Norden, sondern von Norden nach Süden.

Herr des Abaton

Sein wichtigster Beiname bindet ihn an das Grab des Osiris: Er heißt „Herr des Abaton“ — gemeint ist die Insel Biga gegenüber Philae, wo Osiris begraben liegt. Unter den frühen Ptolemäern trägt er diesen Titel bereits in Elephantine, in Musawwarat es-Sufra erscheint er ebenso.

Dieselbe Bindung erklärt womöglich einen Fundort, der sonst überrascht: Sein Kult blühte bis ins späte 2. Jahrhundert v. Chr. in Medinet Habu — dort liegt ein weiteres Osirisgrab.

Wo er steht

In Philae hatte er einen eigenen, eher bescheidenen Tempel, errichtet unter Ptolemaios IV. — wie auch der Kern des Tempels von el-Dakka. In der Ergamenes-Kapelle von el-Dakka ist er insgesamt viermal bezeugt.

Beide Bauten teilen damit dieselbe Geschichte wie der Ort selbst: ptolemäisch begonnen, von einem meroitischen König weitergeführt. Und beide enden gleich — der Arensnuphis-Tempel von Philae wurde später, wie der Hathortempel daneben, in eine Kirche umgewandelt.

Der lebende Löwe

Im Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen steht er unter den Gottheiten, die das Epitheton mꜣj-ʿnḫ — „der lebende Löwe“ — tragen. Denselben Beinamen führt eine Löwengottheit in Kom Ombo, und für Mahes ist er der Name selbst.

Daraus folgt aber gerade keine Gleichsetzung. Eicke prüft genau das und kommt zu dem Ergebnis, dass sich aus dem Kom-Ombo-Hymnus keine Verbindung zu Arensnuphis oder zu Mahes herstellen lässt. Das Epitheton wandert; die Götter bleiben verschieden — derselbe Fall wie bei Pachet und Wosret.

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