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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Zeit · Epochemittelmäßig belegt

Ende des Alten Reichs

Der Zerfall des Alten Reichs — und ein Musterfall dafür, dass eine einzelne Ursache nicht ausreicht.

Zeitraum
von Tetis Thronbesteigung bis zum Ende Pepis II., ca. 2340–2170 v. Chr. (Radiokarbon, nach Bárta)
Art
Epoche

Die Datierung kommt aus dem Labor

Müller-Wollermann stützt den Zeitrahmen auf Radiokarbondaten: Danach bestieg Teti um 2340 v. Chr. den Thron, und die Regierung Pepis II. endete um 2170 — Werte, die mit den Sothis-Daten ungefähr übereinstimmen.

Die Regierungslängen dahinter sind kurz und ungleich: Teti etwa 15 Jahre, Userkare sehr kurz, vielleicht zwei bis vier, Merenre I. weniger als zehn. Die Könige der 8. Dynastie sind Eintagsfliegen — alle ihre Regierungen zusammen dauerten wohl etwa eine Generation.

Die alte Erklärung

Jahrzehntelang erklärte man den Niedergang durch zunehmende Dezentralisierung von Verwaltung und Wirtschaft: Sie schwächte den Zentralstaat, bis er zusammenbrach.

Die inneren Ursachen, die dabei genannt werden, sind konkret:

  • wirtschaftliche Schwächung der Zentralregierung durch Steuerbefreiungen
  • ein wachsender Beamtenapparat und die Vererbbarkeit von Ämtern
  • politische Schwächung durch die zunehmende Selbständigkeit der Provinzen und ihrer Gaufürsten

Die neue Erklärung — und warum sie allein auch nicht trägt

Seit einiger Zeit stehen klimatische Ursachen im Vordergrund, vor allem zunehmende Austrocknung. Hassan gehörte zu den ersten und entschiedensten Vertretern der These, dass verringerte Nilfluten zusammen mit eindringendem Wüstensand das Land austrocknen ließen.

Der entscheidende Einwand steht im Artikel selbst. Die genauen Zeitpunkte der Dürren lassen sich nicht bestimmen — und deshalb lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Dürren die Schwäche des Zentralstaats verursachten oder ob es umgekehrt war. Möglich ist, dass die Schwäche der Zentralregierung schwerer wog als die Dürren.

Das Fazit der Autorin ist ausdrücklich ein Verzicht auf die eine Ursache: Die Gründe sind vielfältig, und ihr jeweiliges Gewicht ist schwer zu bestimmen. Wer den Untergang des Alten Reichs auf den Klimawandel oder auf die Gaufürsten zurückführt, wählt aus, statt zu erklären.